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| Der Kampf um die Krone
Osterrode Rock Harz
Tuttlingen Honbergsommer
Rotterdam, Mysticfair
Der Kampf um die Krone
Oder: Der Fahrstuhl des Grauens
Dass Männer eher kompetitiv und Frauen eher kooperativ agieren, gilt ja mittlerweile schon als alter Hut in Sachen Geschlechterunterschiede. Man erinnere sich nur an den Kindergarten zurück, als die Jungs neben Wettspielen, Bauklötze klauen und Prügeleien ihre Rangordnung immer wieder neu definierten. Die Mädchen dagegen verfeinerten ihre sowieso schon überlegen sozialen Fertigkeiten mit einem gepflegtem Austausch von Neuigkeiten. Genaugenommen hat sich seit dem Kindergarten an dieser Rollenteilung auch nicht mehr so viel verändert, eine These, die sich jedes Wochenende im Bandalltag sehr schön beobachten lässt. Nicht ganz zu unrecht gilt ein Studium der Sonderpädagogik für Schwererziehbare als unentbehrliche Grundlage für den harten Job eines Tourmanagers.
Eben diese auf (Wett-)Kampf ausgerichtet Natur von uns Männern führt dann auch regelmäßig zu kuriosen Wettbewerben, wie zum Beispiel: „Wer kann den Elsi am längsten kitzeln“, „Wer bekommt am meisten Bananen auf einmal in den Mund“, „Wer ist der Erste am Catering“, „Wer erfindet den besten Asiaten-Bludel-Flank-Witz“ oder eben „Wer schafft es den Lasterbalk unter den Tisch zu trinken“. Die Liste der spektakulären Fehlschläge, vor allem in der letzten Disziplin, ist allerdings lang und die Geschichten der diversen gescheiterten Versuche sind bandinterne Legenden. So erinnert man sich immer wieder gern an die Kreideumrisszeichnung nach Kripo Art von Cordobans Alkoholleiche am Tatort Toms Taverne in Erbach, an das Elsi-Eimerchen für die Spätfolgen und wohl auch bald an Samoels schreckliche Fahrstuhlfahrt ...
Angefangen hat alles im verregneten Harz in Förste. Das großartige Rockharz Festival hatte uns eingeladen. Leider war das Gelände schon bei unserer Ankunft am Freitag Abend ein großes Areal für Schlammschlachten aller Art. Dennoch hatten wir viel Spaß und einen tollen Auftritt mit begeistert feierndem Publikum und unglaublich motivierten Festival-Veranstaltern. Wie immer nach einem schönen Konzert ging es feiernder Weise ins Hotel und ausnahmsweise mal früh ins Bett, denn nach Tuttlingen sind es immerhin 600 km und ein frühes Get-In auf der Burgruine wartete am nächsten Morgen auf uns. In Tuttlingen trafen wir dann auch gleich eine Menge bekannter Gesichter und zusammen mit den Kollegen wurden fleißig Biere und später die privaten Vorräte der Fiddlers leer getrunken. Ob es nun jugendlicher Leichtsinn oder die allgemeine Feierlaune war, ist nicht mehr so leicht zu klären, auf jeden Fall begann sich Samoel für einen weitern Anlauf im Lasterbalk-Wetttrinken warm zu laufen. Mit seiner Burger Krone auf dem Kopf erzählte er etwas von Feierkönigen und der Entthronung. Im Hotel angekommen tranken wir in geselliger Laune, bis schließlich unsere Vorräte erschöpft waren. Ein guter Zeitpunkt die Feier zu beenden und mich dezent ins Bett zu verabschieden. Doch leider prallte ich im Aufzug mit Samoel zusammen, der noch einmal seine letzten geheimen Alkoholreserven anschleppte um mich endgültig „abzufüllen“. Dieses Zusammentreffen war die Geburtsstunde des „Fahrstuhltrinkens“ ...
Nachdem ich eigentlich nur noch ins Bett wollte, konnte ich aber den Fehdehandschuh des dunklen Gitarrenengels nicht so einfach ignorieren und hörte mich sagen:
„Na gut, wir trinken noch einen Letzten, bis ich auf meiner Etage angekommen bin.“
Leider war das sehr viel schneller der Fall als gedacht, weshalb auch nur ich einen kräftigen Schluck genommen hatte. Ich hatte also getrunken, Samoel nicht. Um diesen Zustand auszugleichen, drücken wir wieder auf die EG-Taste und während der Aufzug nach unten fuhr trank Samoel. Das wäre ein guter Augenblick gewesen die Sache zu beenden, jedenfalls wenn wir Frauen gewesen wären. Nun sind wir Beiden aber Männer und damit war auch gleich klar, dass ich wieder auf die 3 drückte und anfing zu trinken ...
Mehrere Fahrten später versuchte ich den mittlerweile im Fahrstuhl liegen Samoel zum aufgeben zu bewegen, was aber von einem dazukommen Elsi vereitelt wurde, der eine Menge Hohn und Spott über seinen schon arg mitgenommen Zimmerkollegen ausschüttete. Wie gesagt wir sind Männer und können in so Situationen nicht anders. Samoel wollte also weiter trinken, Elsi witterte seine Chance auf Revanche und zusammen fuhren wir tapfer weiter noch einige Runden Fahrstuhl. Ich trank auf dem Weg nach oben und auf dem Weg nach unten wechselten sich die beiden „Herausforderer“ ab ...
Wiederum mehrere Fahrten später zeigte sich, dass auch Männer durchaus lernfähige Wesen sind. Der aus Schaden klug gewordene Elsi, erinnerte sich an seinen letzten Versuch und gab in weiser Voraussicht auf. Samoel konnte sowieso nichts mehr sagen und sitzen war auf Grund der enormen Beschleunigung des hoteleigenen „Turboliftes“ auch nicht mehr möglich. Unser Lieblingsgitarrist wurde also ins Bett gepackt und durch die sich schließende Hotelzimmertür sah ich noch Elsi die Samoel Burgerkönig Krone aufheben. Mit triumphierenden Blick auf den k.o. gegangenen Samoel setzte sich Elsi die Korne auf den Kopf und sagte:
„Der König ist tot, lang lebe der König!“
Fortsetzung folgt ...
Lasterbalk |
 | 18. 7. 2008 Rockharz Open Air Osterode (Harz)
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| Vom Leiden der Leiter ...
Solingen, Mittelalter Musikfestival - 27.06.08
Dischingen, Rock am Härtsfeldsee - 28.06.08
12.23 Uhr LKW, irgendwo auf irgendeiner Autobahn
Das schöne Wort Leiter hat in unserer Sprache ja bekanntlich mehrere Bedeutungen. Zum Einen bezeichnet es ein Werkzeug, mit dessen Hilfe man zum Beispiel Scheinwerfer ins Dach einer Bühne hängen kann, zum anderen ist ein Leiter aber auch ein Mensch mit zuviel Verantwortung für andere, meist weniger verantwortungsvolle Menschen, wie zum Beispiel Musiker. Populäre Beispiele für Leiter im Alltag einer Band wären zum Beispiel der Tourleiter (abgekürzt TM für Tourmanagement) oder der Technische Leiter (abgekürzt TL), der in einem weiteren Beispiel einen Lichttechniker mit einem Scheinwerfer bewaffnet auf eine Leiter ins Bühnendach schicken könnte. Seit heute frage ich mich aber, ob der Begriff Leiter weniger vom Anleiten einer Gruppe abstammt, sondern viel mehr vom Leiden der Leiter in Krisensituationen. Typische Krisensituationen im Alltag einer Band sind zum Beispiel, dramatische Alkohol- oder Kaffeeknappheit im Hinterbühnenbereich (Backstage), ein abgebrochener Fingernagel des Sängers, die verlorene Handcreme des Tontechnikers, oder die bloße Existenz eines mittelalterlichen Badezubers in Reichweite der Band. So ein Badezuber löst nämlich bei den meisten Spielleuten sofort einen sehr starken Reinigungsreflex aus. Dieser Reflex sorgt dann dafür, dass der gemeine Spielmann nichts anderes mehr machen kann, außer sich sofort seiner Kleider zu entledigen und im Rudel zum Badetempel zu pilgern. Dort wird dann der Alkohol zur inneren Reinigung konsumiert und ruft früher oder später den TM der Band auf den Plan, weil entweder irgendwann kein Alkohol mehr da ist, sich die Bademägde von den Spielleuten belästigt fühlen, weil ein Auftritt droht, oder weil die Abfahrt des Bandbusses ansteht.
Am Freitag in Solingen kamen dann gleich mehrer Krisen zusammen. Unser TL Kailight hatte sich mit dem Problem zu beschäftigen den Inhalt unseres LKW auf die Burg zu bekommen, ohne aber den LKW mitnehmen zu können, denn der steckte im Burgtor fest, unsere TM Anja hatte derweil sofort die drohende Gefahr erkannt, die aus der unheiligen Konstellation „Geburtstag Mümmelstein“ , „Partymanager Lasterbalk“ und „Badezuber vorhanden“ entsteht. Mit einer Klugheit, die aus Jahren der leidvollen Erfahrung erwächst, unterdrückte sie bis zu unserem Auftritt den Reinlichkeitsreflex der Spielleute durchaus erfolgreich. Nach dem schönen Konzert im Burghof war dann aber schließlich der Reinlichkeitsdrang übermächtig und die Mümmelsteinfeiergesellschaft zog sich fröhlich trinkend ins Badehaus zurück. Über den Rest breiten wir den großen Mantel des Schweigens und wer meine linke schwarze Socke findet darf sie behalten ...
Am nächsten Morgen fuhr dann in einer ersten Reisegruppe unsere völlig übermüdete und von den Strapazen des harten Ladeweges gezeichnete Crew nach Dischigen. Einige Stunden später folgte dann die vom maßlosen Feiern gezeichnete und ebenfalls völlig übermüdete Reisegruppe Band, immer noch feiernd, Richtung Festival „Rock am Härtsfeldsee“. Die Fahrt im Bandbus war geprägt von allerlei Schabernack (Elsi moderiert die niederländische Reisewelle), lustigen Fußballgesängen mit Alea (Orange trägt nur die Müllabfuhr) und adligen Tafelfreuden mit Mümmelstein beim Burgerkönig, der uns dann auch noch acht Pappkronen spendierte. Samoel gewann den „Wer sieht mit der Pappkrone am dämlichsten aus?“ Wettbewerb, Alea stellte noch mal das Cover der „Königs Henker“ CD nach und mitten in den ganzen Albereien fuhren wir immer noch feiernd und mit Pappkronen auf dem Kopf auf das Festivalgelände ...
Mittlerweile im anderen Bus: Der Leidensweg unsere heldenhaften Crew war noch nicht zu Ende. Lange vor uns in Dischingen angekommen, stellte sich heraus, dass unser TL und der TL des Festivals, in einigen wenigen, im Prinzip völlig nebensächlichen, technischen Fragen, geringfügig andere Meinung waren. Die sich anschließende freundschaftliche Diskussion unter Kollegen war bestimmt auch nur aufgrund des Bühnenlärms so lautstark geführt und die Tatsache, dass diese Beiden auch Stunden später noch sehr begeistert miteinander diskutierten, lag bestimmt nur an der Vielfalt der Lösungsmöglichkeiten, die moderne Bühnentechnik so mit sich bringt. Als mitten im hitzigen Wortgefecht schließlich unser Kailight dann eine weitere Lanze für seine disziplinierte und sehr auf Außerwirkung bedachte Band brach, hielt unser Bandbus direkt neben den beiden TLs . Heraus purzelte eine fröhlich singende Band mit den Burgerkönig-Pappkronen auf dem Kopf und enterte vergnügt den Hinterbühnenbereich auf der Suche nach den Kühlschränken, vorbei an unserem Kailight, der in diesem Moment nicht mehr so ganz Herr seiner Gesichtszüge war ...
Aber wie die meisten Märchen, geht auch dieses Sommermärchen gut aus, wir hatten viel Spaß auf der Bühne und die beiden TLs wurden zu späterer Stunden bei einem gemeinsamen Bier gesichtet – nur unsere tollen Pappkronen mussten wir leider abgeben ...
Lasterbalk |
 | 27. 6. 2008 Festival der Spielleute Solingen
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| Socken, Polizei und Schwimmbadparties
Hameln, Sumpfblume – 25.10.2007
Tourbus, irgendwo auf der A1, 26.10.2007 12.28 Uhr
Der eigentliche Anlass, die lange Tourtagebuchabstinenz zu unterbrechen, war ein traumatisches Schlüsselerlebnis gestern Abend in einem gesperrten Schwimmbadbereich unseres Hotels: Ich habe wieder mal meine schwarzen Socken verloren (vgl. Tourtagbuch 1 bis 20). Aber nicht einer nach dem anderen, wie auf allen bisherigen Touren, sondern beide auf einmal! Das alleine würde ja schon ein neues Kapitel aus dem Tourzirkus rechtfertigen, aber es wird noch schlimmer! Denn der traurige Verlust ereilte mich direkt unter dem wachsamen Auge des Gesetzes. Ja, in der Tat waren zwei Polizeibeamte nicht nur anwesend, sondern auch im engeren Sinn für diesen Sockenschwund verantwortlich. Der geneigte Leser wird sich jetzt bestimmt fragen wie er meine Socken, zwei uniformierte Beamte und einen geschlossenen Wellnessbereich eines Hotels zu einem inneren Bild zusammensetzen kann. Was war also passiert?
Alles begann mit einem sehr schönen Konzert in Hameln, in dessen Verlauf mein alter Freund Falk I. v. HMS öffentlich bekannte, dass es in der Rattenfängerstadt auch heute noch weiße Ratten und Mäuse auf den Strassen gibt. Auf diese Erklärung hatte ich fünf lange Jahre warten müssen. Damals war ich nach einem Konzert in der Sumpfblume noch ein bisschen in der Stadt feiern und entdecke die gemalten weißen Mäuse auf den Strassen, den Rattenfängerweg von Hameln. Wenige Stunden später kam ich fast nüchtern ins Hotel zurück und stellte erstaunt fest, dass meine ganze Band schon beim Frühstück war. Ich erzählte natürlich von der witzigen Idee mit dem Rattenweg durch die Stadt.
Eisiges Schweigen. - Mitleidige Blicke, gefolgt vom lapidaren Kommentar:
„Dass du bei deinem Pegel weiße Mäuse siehst wundert mich nicht!“
Und wieder einmal wurde ich ganz offensichtlich gründlich verkannt!
Mit dieser Vorgeschichte in Sinn, beginnt man nun zu verstehen, welch unglaubliche Genugtuung ich auf der Bühne erlebte, als Falk öffentlich widerrief. Dieser späte Triumph musste nach der Show natürlich gebührend gefeiert werden. So kann es, dass ich ausnahmsweise ein wenig Alkohol konsumierte, sozusagen zur Feier des Tages.
Einige Stunden und Schnäpse später fand ich mich in den endlosen Gängen unseres Hotels wieder. Orientierungslos irrte ich durch das Labyrinth der Flure und landete auf einer Galerie über einem schönen Schwimmbad, welches aber, ob der Uhrzeit, bedauerlicherweise schon geschlossen hatte. Auf der gegenüberliegenden Galerie, gab es aber einen Abgang in den Badebereich. Um dorthin zu gelangen, musste man lediglich einige Meter auf einem Sims entlang klettern. 5 Meter Falltiefe – ein kalkulierbares Risiko. Ich beschloss spontan eine kleine Aftershow-Pool-Party zu organisieren …
Schnell gesellten sich einige, ungenannt bleibende, Damen und Herren zu meiner spontanen Feierrunde. Wir entledigten uns schnell der überflüssigen Kleider und kletterten den Sims entlang, Met und Bier wurde aufwendig abgeseilt, alles war perfekt. Über den weiteren Verlauf breiten wir den Mantel des Schweigens, außer vielleicht noch zu erwähnen, dass Johann von der Vögelweide und Cordoban der Verspielte eine gelungene Vorstellung der Hebefigur von Dirty Dancing gaben …
Unterbrochen wurden wir leider von einer Gruppe Störenfriede auf der Galerie. Die seltsamen Gestalten dort gaben vor Polizei zu sein, wollten von uns wissen was wir hier täten und wie wir uns den Zutritt zum Pool verschafft hätten …
Noch bevor mein Kopf reagieren konnte, hörte ich mich sagen:
„Wir sind einfach über den Sims geklettert.“
„Sind Sie wahnsinnig?“ erkundigte sich eine der Uniformen auf der Galerie.
Schon wieder antwortete mein Mund unter Umgehung sämtlicher Denkprozesse:
„Nein wir sind nicht wahnsinnig, wir sind Artisten. Wir über hier Hebefiguren im Wasser.“
Damit war es raus. Der Herr von Mümmelstein ergänzte noch spontan: „Wir heißen Saltatio Mortis, heißt sowas wie Todessprung.“
Die Coverstory war gut, verdammt gut sogar. Wahrscheinlich wollten die Damen und Herren Wachtmeister nur Autogramme, als sie uns zu sich baten. Voll in unserer Rolle als begabte Artisten aufgehend boten wir ihnen auch sofort an, zu ihnen hochzuklettern. Durften wir aber nicht. Der normale Weg wurde aufgeschlossen und wir traten dem Auge des Gesetzes gegenüber, nackt wie Gott uns schuf. Ich bin mir aus heutiger Sicht nicht sicher, ob unser nett gemeinter Smalltalk, ohne einen Fetzen Stoff am Leib, der Situation die nötige Ernsthaftigkeit verleihen konnte. Wir mussten auf jeden Fall unsere Sachen packen und auf den Zimmern weiterfeiern. Irgendwann in den Verhandlungen mit der Exekutive ist es wohl passiert – ich habe meine Socken verloren. Beide auf einmal und sie werden bestimmt nicht im Bus wieder auftauchen. Falls doch, dann werde ich wohl ein weiteres Kapitel aufschlagen müssen …
Lasterbalk |
 | 25. 10. 2007 Sumpfblume Hameln

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| Von „Stöffche“und der Kreidezeit.
(dieser Eintrag hat gedauert,aber ist ein wichtiges Stück Bandgeschichte)
Es ist der 15.09.07 und ein wunderschöner Morgen erhebt sich über Land das weithin als Hessen bekannt ist. Fast am südlichsten Zipfel dieses wunderschönen Landes macht sich ein kleiner, gut gebauter Trommler auf seinen Wagen in Bewegung zu setzen und in´s nicht all zu weit entfernte Erbach aufzubrechen. Gut. Während der Fahrt kann es in Hessen schon einmal passieren das die Straße plötzlich weg ist und irgendwer eine Baustelle in den Acker setzt, aber das darf einen nicht abschrecken.
Nach nunmehr einer Stunde erreichte unser kleiner Trommler besagtes Erbach und freute sich seine Freunde von Saltatio Mortis auch schon dort anzutreffen. Gemeinsam luden sie die schwer bepackten Wagen aus und richtet die Bühne für einen schönen Tag her.
Einiger Schritte weiter thronte der Schädel eines grimmigen Drachen über der Metschenke die eben jenem Wesen seinen Namen verdiente. Herinnen lugten schon die verschmitzten Augen des Mundschenks hervor und in der Hand hielt er ein Stück Kreide.
Auf den Boden neben seiner Taverne lag seine Schankmaid wie tot und Tom, so der Name des Wirts, zeichnete mit der Kreide ihre Umrisse auf den Boden.
„Was ist geschehen Herre Wirt? Hat die Pest eure Schankmaid dahin gerafft“? So fragte der Trommler.
„Ach wo. Kerngesund bin ich. Wir wollten es nur eurem Cordoban des nächtens leichter machen,seinen Schlafplatz zu finden“. Sprach Mel die Wirtsdame und erhob sich vom Asphalt.
Stimmt. War da nicht vor geraumer Zeit die schicksalhafte Begegnung mit Cordoban dem Verspielten, wie er sturztrunken (vor Glück) das Nachtkonzert unserer Spielleute und danach den Rasen mit dem Überlauf seines Trinkgelages beglückte. Ja genau ein Jahr war dieser Tag her und alle lachten ob dieser Erinnerung. Möge dies als die „Kreidezeit“ in Erinnerung bleiben.
„Das muss doch begossen werden“ hob „Bunny“ an und bestellte auch gleich die erste Runde Calvados..
Nach einem erfüllten Tag legte sich langsam die Nacht über das Markttreiben und es wurde Zeit sich auf das Nachtkonzert vorzubereiten.
Schließlich war es was besonderes, denn vor kurzem wurden unsere Recken vom Musikliebhaber „Prinz Charts“ in die Riege der hundert besten aufgenommen und bekleideten für eine Woche den Platz 29.
So geschah es, das unsere allseits beliebten Saltaten loslegten und das versammelte Publikum eine unglaublich gute Stimmung an den Tag,bzw. die Nacht legte.
„Neunundzwanzig“!!! Schallte es unter lautem Getrommel in die Nacht und sogar das Nationalgetränk der Hessen wurde mit einem gellenden „Stöffsche!!!!“ gewürdigt.
Bis in die tiefe Nacht hinein wurde gefeiert und getanzt und selbst die Büttel der Stadt kamen nicht am Marktherren Gießbert Hiller vorbei. (Dank sei ihm an dieser Stelle.) Wohl wie eine Felswand stellte er sich ihnen in den Weg um die ausgelassene Stimmung zu erhalten. „Mögen die Anwohner zetern und schreien, die Musik erklingt bis auch der letzte das Tanzbein nit mehr schwingen kann. Wer dies verhindern will, muss sich mit mir messen“.
Hier eine Frage am Rande:Wer möchte sich mit einem Riesen anlegen, der den größten der Stadtwache um 2 Häupter überragt und gerne mit Rittern wirft?
Somit endete die Nacht mit einem fröhlichen Gelage und als der morgen bereits graute, zogen sich die letzten der Saltaten in ihre Schlafstätten zurück.
So und nicht anders ist es geschehen.
Thoron |
 | 15. 9. 2007 Mittelalterlich Spectaculum Erbach
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