Wir treffen uns früh um 08:00h am Proberaum. Ganz so früh müssen wir zwar nicht los, aber es muss noch das ein oder andere Case in den Bus geladen werden. In unserem LKW ist zwar noch genügend Platz, aber beim Gewicht hört‘s dann auch schon auf; wir wollen schließlich nicht mehr Zeit als unbedingt nötig an der schweizer Grenze verbringen.
Nachdem alles geladen ist, geht‘s in Kolonne Richtung Süden, in‘s Land der Schokolade.
Nach einem kurzen Kaffee-Frühstück im Bus beschließe ich mich in meine Koje zurückzuziehen
und - mit meinem iPod bewaffnet - vor mich hinzudösen, bis wir am Festivalgelände ankommen.
Ich werde von Elsi mit den Worten „ ...wir stehen mitten in einer Kiesgrube!“ geweckt und muss mich erstmal aufrappeln.
Nachdem ich mir was angezogen hab und einen Blick aus den hinteren Busfenstern wage, muss ich feststellen: er hat tatsächlich recht und nein, wir haben uns nicht verfahren. Wir stehen mitten auf dem Open-Quer Gelände doch auf der einen Seite seh ich nur riesige Radlader und LKWs, die damit beschäftigt sind, Kies zu schaufeln und wegzubringen; daneben ein Förderturm oder was auch immer. Dann der Blick zur anderen Seite auf die Rückansicht der Bühne - ah, doch alles ok. Obwohl mir die halb unter der Bühne eingegrabene Wasserpumpe irgendwie Sorgen bereitet.
Naja, erstmal ausladen und auf den LKW warten.
Ich bring schonmal mein Privatgepäck in den Backstage-Container und mach mich dann mal auf die Suche nach etwas essbarem - vergebens. Zusammen mit Elsi geht‘s dann weiter - das restliche Areal des Festivals erkunden. Die Bühne macht ja schonmal einen geräumigen Eindruck und auch sonst scheint alles entspannt zu sein. Abgesehen von dem Dauerregen und dem Matsch im „Infield“. Dort steht allerdings ein weiteres recht großes Zelt in dem es was essbares zu geben scheint. Es ist ja nicht so, dass ich dauernd nur ans Essen denke, aber ich hab noch nicht wirklich was gefrühstückt und es ist bereits nach zwölf.
Der Backstagebereich ist ja noch gut begehbar, dank der ausgelegten Bretter. Der Weg auf das Gelände schaut da schon anders aus. Die Holzbohlen reichen noch ein paar Meter in den Besucherbereich hinein, dann stehe ich allerdings vor der Wahl: Umdrehen, oder im Matsch weiter waten. Ich entschließe mich für den Matsch und das war‘s dann auch mit sauberen Schuhen und Hose.
Frühstück? - Fehlanzeige! Alles umsonst. Ok, dann eben zurück in den Container und abwarten.
Ich verbring die nächste Stunde dort mit meinem Instrument und mittlerweile hat uns auch eine der netten Bedienungen von der Bar ein paar Brötchen gebracht. Kaffee hab ich mir auch schon geholt und alles ist gut.
Als mir die junge Dame die Tasse zusammen mit Zucker, Kondensmilch, einem Stäbchen zum umrühren und einem kleinen, rechteckigen Stückchen, dass ich nicht weiter beachtet habe, hinstellt und ich alles liegen lasse, da ich meinen Kaffee am liebsten eh lieber schwarz trinke, kommt von ihr ganz vorwurfsvoll der Ausruf: „Abr die Chocki, die is leeckr!“. Ach so, ja - wir sind ja in der Schweiz.
So, auf geht‘s zum Soundcheck. Alle sind verkabelt, verfunkt und bereit, loszulegen. Nur einer fehlt: Lasterbalk. Der ist vor schon so einiger Zeit zusammen mit Luzi von Schelmish losgezogen, um sich das Fußballspiel anzuschauen. Das ist aber schon lang vorbei und immernoch kein Anzeichen von unserem Trommler. Es werden erstmal alle Instrumente gecheckt - soweit möglich. Die Zeit für unseren Check verfliegt immer weiter und als alle schon fast die Hoffnung aufgeben, kommt er doch noch auf die Bühne gerannt. Wild gestikulierend und Sachen wie „Tank leer“, „keine Tankstelle“ oder „Navi kaputt“ durch die Gegend fluchend. Naja, dann kann‘s ja jetzt losgehen.
Als wir von der Bühne kommen und sich jeder so die ein oder andere Frage stellt - „was mach ich jetzt blos bis zum Auftritt ... in X Stunden“ ist die Sache für Falk, Elsi und mich recht schnell klar, denn: da steht ja ein Jakuzi im Backstage. Die Außentemperatur ist uns völlig egal, denn das Wasser hat schöne 37°C.
Also ein paar Drinks besorgen und ab in den Pool!
So sitzen wir dann gemütlich im Wasser und lassen uns von den Massagedüsen verwöhnen. Das einzige Problem ist der wieder einsetzende Regen, der unsere Drinks verwässert.
Als „Abendessen“ gibt‘s dann noch einen Burger von einem der Stände - dann geht‘s an die Showvorbereitung.
Das Konzert läuft gut und ich hab mächtig Spaß auf der Bühne - nur das Gros der Festivalbesucher traut sich nicht aus dem halb offenen Bierzelt und schaut sich unsere Show lieber aus der Entfernung an. Der Rest, der sich vor die Bühne traut und bis zu den Knöcheln im Matsch versinkt bekommt dafür aber einiges geboten und bleibt bis zuletzt in Feierlaune.
Eine Sache geht mir allerdings schon seit der Hälfte des Konzertes durch den Kopf: Wie in aller Welt will sich Alea bei „Falsche Freunde“ von der Menge tragen lassen - die paar wenigen Leute reichen da nicht aus. Doch dann der schlaue Plan mit Ansage an‘s Publikum: „Wir werden jetzt den Leuten da hinten im Zelt mal zeigen, wie man richtig feiert“. Mit diesen Worten steigt unser Sänger von der Bühne hinunter, klettert über die Absperrung und zieht mit dem halben Publikum im Schlepptau über die sumpfige Wiese bis zum Bierzelt, holt dort noch einige Leute ab und bringt sie zurück zur Bühne; gekonnt.
Nach unserem Auftritt bleibt diesmal leider keine Zeit für Autogramme, denn wir müssen überpünktlich los um am nächsten Morgen um 10:00h in Dortmund auf dem Plan zu stehen.
Also werden schnellstmöglich die Akustik-Instrumente in den Bus geladen und auf geht‘s in den Pott.
Ich nehm mal nicht an, dass die Magen-Darm Probleme und die Übelkeit, die mich am nächsten Tag plagen sollten irgendetwas mit dem Thunfisch-Sandwich zu tun hatten, dass wir vom Festival noch mitbekommen hatten. Ich bring sicherheitshalber beim nächsten Mal mein eigenes Essen mit - ist besser so.
Schweizer und Fisch?! - dann doch lieber Schokolade...
Bis bald,
Herr Samoel