Was macht so ein Spielmann eigentlich den ganzen Tag, wenn er nicht gerade auf der Bühne steht sondern mit der Band durch die Lande zieht, um die Fans mit Live-Konzerten zu erfreuen? Der Tourneealltag bringt allerlei lustige, spannende und nachdenkliche Erlebnisse mit sich. In ihrem Tagebuch erzählen die Spielleute von Saltatio Mortis von ihren Abenteuern auf Konzertreisen – Impressionen aus dem Tourbus, Begegnungen mit Fans, Konzerte aus Künstlerperspektive oder News und Gossip vom Mittelaltermarkt. Auch im Studio und beim Songwriting tragen sich bemerkenswerte Begebenheiten zu, von denen man als Fan sonst nie erfahren würde (oder besser nicht erfahren sollte ...) – wenn nicht der eine oder andere Spielmann hier aus dem Nähkästchen plaudern würde. Die Spielleute berichten schonungslos, detailliert und aus erster Hand über das tägliche Leben eines fahrenden Musikanten ...


On the road again

Neuhaus an der Pegnitz, Veldenstein Festival am 24.07.2010

Es ist mal wieder so weit. Um 7 Uhr heisst es Aufstehen und ich mache mich fertig. Heute geht es mal wieder zum Veldensteiner Festival, worauf wir uns sehr freuen. Um 8 Uhr bin ich am Proberaum und es geht mit dem Nightliner los in Richtung Franken.

Meiner Erfahrung nach muss man sich auf das Leben „auf der Straße“ erst gewöhnen. Ich glaube auch dass nicht jeder für ein Leben aus dem eigenen Koffer gemacht ist. Zusammengepfercht in Bussen und Nightlinern kommen so einige Angewohnheiten zu Tage, die man im normalen Arbeitsalltag (vor allem dem einer Band) nicht wirklich mitbekommt. Manche schauen Filme, der eine kann nicht rückwärts sitzen, der andere Schnarcht sogar in einer schaukelnden Koje, ein Weiterer geht sofort nach dem Einsteigen fast immer Schlafen und so weiter. Ich für meinen Teil versuche zu Arbeiten, wenn wir Nightliner fahren. Lesen, Musikhören, sowie Schlaf nachholen gehören ebenso zu meinen Beschäftigungen bei der Fahrt. Diesmal unterhalten wir uns über Filme. Alle die nicht in ihren Betten liegen sind sich einig dass „No Country For Old Men“ ein sehr guter Film ist. Ich übe noch ein wenig und schon sind wir auch da im schönen Franken!

Mit Falk mache ich mich auf ins Catering wo wir uns erst einmal Stärken. Wir schießen noch ein paar Fotos von der Burg und ich ziehe mich wieder in den Nightliner zurück um noch ein wenig zu Üben und noch liegengebliebene Mails zu beantworten. Leider erledigt sich das nicht von alleine.

Falk und ich haben noch ein Interview zu welchem ich rechtzeitig vor Ort bin. Das Gespräch nahm irgendwann eine Eigendynamik an und so redeten wir einfach drauf los, stellten uns gegenseitig Fragen um diese auch gleich wieder zu beantworten. Schwupps war eine Stunde vorbei.

Bis zur Showvorbereitung, ca. eine Stunde vor dem Konzert, war ich wieder im Bus. OK, es gab eine kleine Unterbrechung zur Stärkung.

Mit leichter Verspätung begann die Show und wir rockten was das Zeug hielt. Veldenstein und sein Publikum hießen uns herzlich willkommen und feierten mit uns. Wir hatten eine schöne Zeit. Leider konnten wir unseren letzten Song aus Mangel an Zeit nicht spielen, doch das Publikum sang den „Spielmannschwur“ auch ohne uns. Nachdem die Instrumente eingepackt waren ging es zum Autogramme geben. Denn auch dies gehört zum Musikeralltag dazu. Man traf bekannte Gesichter und wir hatten auch Zeit für das ein oder andere kleine Gespräch. Das macht immer sehr viel Spass da wir bei Festivals meistens eh nur im Backstage sind. Die Zeit verging und ich machte mich gegen 2 Uhr mit unserem Lichtmann Benni auf den Heimweg während die Band schon im Nightliner weiter nach Köln fuhr für den morgigen Mittelaltermarkt. Die Strasse hatte auch mich wieder, zwar in der Nacht und ein wenig Müde aber mein Bett empfing mich dann auch sehr erfreut gegen 5.15 Uhr.


Feuerschwanz v.s. Tom

MPS, Bückeburg am 17.07.2010

Es ist halb zehn am Morgen, als unser Bus in Schrittgeschwindigkeit über den Teilnehmerparkplatz rollt. Wir sind sogar ein bisschen überpünktlich, das ist aber auch gut so, denn wir haben wenig Zeit für den Aufbau und Soundcheck.
Angesichts des engen Zeitplanes mach ich mich mit unserer Mercherin, Mareike, zu Fuß auf zur Bühne, um dort unseren Stand aufzubauen, während der Rest noch damit beschäftigt ist, den Anhänger am Bus abzukoppeln und mit einem MPS-Sprinter vor die Bühne zu ziehen.
Während wir die ersten Teile zusammenbauen wird im Bereich vor der Bühne in rauen Mengen Sand verteilt, um die unter der Woche entstandenen Matschlöcher zu füllen. An sich ja ein guter Plan, wenn da nicht noch Fahrzeuge drüber fahren müssten.
Der Merch-Stand ist dann auch recht schnell hochgezogen und mein Verstärker auf der Bühne postiert. Danach geht‘s mit meinen Instrumenten richtung Backstage-LKW um mich da auf den Soundcheck vorzubereiten. Der Weg von der Bühne dorthin ist ungewöhnlich weit - genauso weit wie am letzten Wochenende. Der Grund: neben und hinter der Bühne stehen immernoch die Mega-Flammenwerfer von Sir Henry Hot, die ehr an einen Mad Max Film erinnern als an einen Mittelaltermarkt.
Doch etwas ist anders als beim letzten Mal - da hat sich doch neben den LKWs ein kleines, fränkisches Zeltdorf gebildet. Die Bewohner: Feuerschwanz!
Wir werden uns heute bei den Tag-Shows mit unserer ehemaligen Vorband die Bühne teilen und - natürlich - gebührend feiern.
Und einer hat heute richtig Spaß, Tom von der Drachenschänke. Die Feuerschwänze haben nämlich bei ihrem début in Rastede die Klappe zu weit aufgerissen und herausposaunt, Tom könne sie eh nicht ins Wanken bringen. Das wollen wir ja dann heute mal sehen.
Der Plan ist ganz einfach: Sobald Feuerschwanz auf der Bühne steht, werden sie mit Schnaps versorgt - und zwar reichlich. Dafür sorgt nicht nur Tom und seine Belegschaft, auch die ein oder anderen Kollegen wollen sich den Spaß nicht nehmen lassen und so mach ich mich bei ihrem zweiten Auftritt auch mal auf den Weg zur Bühne, bewaffnet mit einer Flasche Calvados. Sir Lanzeflott hat schon aufgegeben, doch der Rest trinkt noch fleißig mit.
So vergeht dann auch die Zeit wie im Flug und wir spielen ein paar schöne Tages-Sets mit Publikum in Feierlaune. Diesmal gibt‘s kein WM-Spiel und auch das Wetter ist nicht so drückend heiß wie am vorherigen Wochenende.
Abends geht‘s dann für uns schon relativ Bald auf die Bühne zum Nacht- oder vielleicht besser Abendkonzert. Wir spielen direkt nach den Gauklern im Traumspektakel und sämtliche Feuerkünstler sind mit ihren Shows erst nach uns dran; wird ja auch echt spät dunkel.
Diesmal verläuft unser Konzert ohne Pyro-Zwischenfälle und auch die „Höllenmaschinen“ von Sir Henry feuern zu „Prometheus“ wieder aus allen Rohren. Ein durchaus gelungener Abend und eines der schönsten Akustik-Konzerte dieses Jahr.
Es ist schon ein echt merkwürdiges Gefühl, wenn man nach dem Konzert noch in aller Ruhe bei Tom einen Met genießen kann, oder Auftritte von anderen Bands mitbekommt. Normalerweise geh ich von der Bühne, geb‘ Autogramme, bau mein Zeug ab und dann ist da auf dem Gelände nichts mehr los; diesmal nicht.
Als sich die Veranstaltung dann doch langsam dem Ende neigt, steigen die Jungs noch einmal mit ihren Säcken auf die Tische um für die restlichen Leute zu spielen, bis dann wirklich keine mehr tanzen will.
Irgendwann gegen halb vier wird‘s dann doch mal langsam Zeit, in den Bus zu gehen und durchzuschlafen, bis wir in Karlsruhe ankommen.

Bis bald,

Herr Samoel


Ein langer Tag mit viel Sonne

Weigendorf, Open Air Weigendorf am 16.07.2010

Eine gute Nachricht erreichte mich am Abend zuvor. Ich habe Freitag früh Abfahrt um halb 10, wärend der Rest schon um halb 8 fahren muss.
Die schlechte Nachricht jedoch - ich sitze nicht im Nightliner auf dem Weg nach Weigendorf. Ich sitze im Lastensprinter... mit Samoel ... und muss die Ouzo noch abholen. Na schön. Wenigstens hat Samoel noch kurz vor der Abfahrt bemerkt, dass wir nicht im Weigendorf in der Nähe von Nürnberg spielen, sondern in der Nähe von Landshut. Naja ... die paar hundert Kilometer... Ouzo wurde dann auch noch schnell informiert. Sie wollte eigentlich noch ausschlafen, bis zu dem Moment, wo wir ihr mitteilten, dass sie JETZT losfahren muss. Also machten wir uns auf. Super natürlich, dass vormittags einem die Sonne genau ins Gesicht ballert, wenn man sich auf der Autobahn nach Osten befindet. Dann natürlich noch die ganzen Staus und Baustellen auf der A8 und KEINE Klimaanlage! Irgendwie kamen wir dann doch an, holten Ouzo bei der Autovermietung ab, wo wir im Schatten saßen und auf sie warteten...lange. Als sie kam, musste sie auch gleich nochmal weg zum volltanken. Toll. Schließlich kamen wir in sengender Hitze auf dem Festivalgelände an. Da ich die ganze Fahrt mich zusammen genommen hab und nichts aß, freute ich mich auf ein belegtes Brötchen. Aber so sollte es nicht kommen. Der Grund: Die restliche Band, die sich vom Nightliner fahren ließ, war so müde, dass sie sich ins Hotel fahren ließen und die Brötchen auch gleich alle mitgenommen haben! Ok. Zeit für Plan B. Nachdem wir unseren Container bezogen und beide die einzigen Spinte mit unseren Namen beschrifteten, schauten wir uns mal um. Es war noch niemand außer uns und unseren Techs da, also schauten wir doch mal, wo man was zu Essen herbekommen könnte. Schließlich fanden wir die letzten 4 Semmeln im Kühlwagen der Veranstalter, die uns somit freundlicherweise versorgten. Seit unserer Ankunft um 2 saßen wir nun bis um halb 8 rum. Ich hab in der Zeit geübt und nen neuen Tune auf der Low-Whistle gelernt. Dann gabs Abendbrot. Diesmal hats auch für alle gereicht. Ein schönes Konzert haben wir gespielt und leider mussten wir direkt danach Weg, sonst hätten wir uns noch den Headliner angesehen. Kurz bevor das Gewitter anfing und wir den Bus bestiegen, lernte ich unseren Fahrer mal endlich kennen. Coole Sau, dieser Herbie. Naja. Dank der sengenden Hitze des Tages war ich nun auch müde genug um direkt ins Bett zu steigen. Alles in Allem ging der Tag doch schnell rum.


Sonne, Feuer und ein Spielmanns-Barbecue

Bückeburg, Mittelalterliches Phantasie Spectaculum, 10.7.2010

Bückeburg, Woche 1 des 2-wöchigen MPS Marathons. Ja, dieses Jahr sind 2 Wochenenden in Folge angesagt, bei denen wir den Besuchern des Mittelalterlichen Phantasie Spectaculums zu Bückeburg klangtechnisch einheizen wollen. Doch zunächst einmal wird uns selbst gehörig eingeheizt! Nicht nur, weil die Sonne mächtig vom Firmament brennt und man schon schwitzt, bevor man überhaupt an Bewegung gedacht hat, sondern vor allem auch deshalb, weil wir uns bereits Anfang der Woche in der Villa einer befreundeten Bückeburger Familie mitsamt unseren Instrumenten häuslich einrichten, um dort an neuen Songideen zu feilen. Songwriting-Camp heißt das dann neudeutsch. Und so sind wir, während draußen ein Hitzerekord nach dem anderen gebrochen wird, drinnen bei meist geschlossenen Fenstern (man will die lieben Nachbarn ja nicht verärgern) damit beschäftigt, Stücke für die nächste CD zu erarbeiten und die Rohversionen dieser Stücke direkt aufzunehmen. Eine wahrhaft schweißtreibende Angelegenheit... Es verwundert also kaum, dass es zwischenzeitlich diverse seltsame Auswüchse im Verhalten der Spielleute gibt und so mancher der Saltaten plötzlich irrwitzige Getränkerezepte ausprobieren will (Cola+Milch+Zucker???), ein weiterer ohne Kleidung seine Gitarrenparts einspielt und wiederum ein dritter in heldenhafter Manier vom 10-Meter-Turm des örtlichen Schwimmbads springt, nur um zu beweisen, dass ein von dort getätigter Rückenklatscher doch überlebt werden kann. Nebenbei wurde übrigens auch an Songs gearbeitet. Die ersten Ergebnisse sind jetzt schon der Hammer... Aber ich will nicht zuviel verraten, dauert ja schließlich noch, bis auch ihr was davon hören werdet. ;)

Als krönender Abschluss dieser Woche des kreativen Wahnsinns soll nun also die große Bühne des MPS bespielt werden. Die Vorbereitungen laufen wie üblich: Aufbau, Soundcheck absolvieren und dann die Zeit überbrücken bis zur ersten Show. Was macht der Spielmann also, wenn er einige Stunden Zeit hat, bis er seine Bühnenperformance startet? Richtig, er bewegt sich in Richtung Drachenschänke und versucht, diese in Rekordzeit trocken zu legen! Doch nicht an diesem Tag. Nein... Angesichts der bereits am Vormittag spürbaren Hitze ist allen von uns klar, dass heute ein zu sorgloser Umgang mit dem Dämon Alkohol auf direktem Weg ins Delirium, ins Krankenhaus oder in Gisberts persönliche Hölle führen wird. Also halten sich alle Spielmänner in Sachen hochprozentiger Getränkeauswahl auffallend zurück. Aha, auch wir können verantwortungsbewusst handeln. Manchmal zumindest...
In der Zwischenzeit staunen wir auch nicht schlecht über die Höllenmaschine, die hinter unserer Bühne in Stellung gebracht wurde: Sir Henry hat mal wieder seine unglaublichen Feuerfontänen mitgebracht und macht gerade die letzten Einstellungen an diesem Monstergerät. Gemeinsam mit unserem Feuergott Rafftan soll er später bei unserer Abendshow die Nacht zum Tage machen, indem er uns und dem Publikum ordentlich einheizt. Bereits am Vorabend hatte er die ersten Tests auf dem Gelände absolviert und dabei Stichflammen von bis zu 30 Metern Höhe fabriziert! Die Druckwelle war bis auf unsere Terrasse im Ortsinnern zu spüren gewesen! Vorfreudig und doch ein wenig nachdenklich ob dieser Flammenwucht erwarten wir also die Shows des Tages und können das Abendkonzert kaum erwarten.

Bald ist es dann auch soweit, wir spielen die üblichen Tagesshows, freuen uns über die (trotz zeitgleicher WM-Übertragung) zahlreichen Zuhörer vor der Bühne und hätten sicherlich noch mehr getanzt und gefeiert – wäre da nicht dieser wahnwitzig heiße Stern, der in gleißender Hitze am Himmel steht und unerbittlich auf uns unwürdig schwitzende Kreaturen herab brennt. Es ist einfach der Wahnsinn... Soviel kann man gar nicht trinken, wie wir auf der Bühne wieder ausschwitzen! Aber wir bleiben standhaft und stehen unseren Spielmann, wie immer natürlich und auch im Angesicht dieser Sonne.
Das Abendkonzert ist dann sogar ein echtes Nachtkonzert, denn durch das vorher stattfindende Traumspektakel verschiebt sich unser Anfang etwas nach hinten. Aber das ist gut so, denn durch die mittlerweile einsetzende Dunkelheit kommt Rafftans Feuershow, mit der er die Songs begleitet, noch besser zur Geltung. Los geht's also, der Merseburger Zauberspruch startet als erster Song, dann ab zur zweiten Nummer „Varulfen“ und.... Schock!!! Einer der Pyroeffekte, die zu Beginn des Stücks abgefeuert werden, startet zu früh, Alea steht noch mitten in der Gefahrenzone am Bühnenrand und wird linksseitig komplett von den Flammen eingehüllt. Geistesgegenwärtig dreht er sich in die andere Richtung und verhindert dadurch schlimmeres. Doch er trägt dennoch Verbrennungen am Arm davon... Die Show läuft weiter, er singt seine ersten Parts, während hinter der Bühne die Crew und Rafftan selbst schon ein Erste-Hilfe-Paket an den Start bringen. In den Instrumentalpassagen geht er schnell nach hinten, wird behandelt, während wir restlichen Bandmitglieder weiterspielen und uns nichts anmerken lassen wollen. Hat das Publikum vielleicht was gemerkt? Wir wissen es nicht. But the show must go on...
Schnell ist klar: Alea kann das Konzert weiterhin absolvieren und zu einem guten Ende bringen! Uff, durchatmen... Es gilt schließlich, das Bückeburger Publikum zu begeistern! Und das schaffen wir dann auch, spätestens als wir gemeinsam mit dem Flammenmagier Sir Henry unser Stück Prometheus anstimmen, die Höllenmaschine ihre Arbeit aufnimmt und uns kräftig Feuer unterm Allerwertesten macht. Wow, was für eine unbändige Kraft doch in dieser Naturgewalt des Feuers steckt! Die Druckwelle jeder einzelner Flamme ist massiv auf der Bühne zu spüren und wir schauen in staunende Gesichter und offene Münder, als beim Refrain die Worte „Ich bringe Euch Feuer!“ wahrlich in die Tat umgesetzt werden. Einen kleinen Einblick in dieses grandiose Schauspiel bietet das ein oder andere Handyvideo, das von unseren Fans mittlerweile bei Youtube gepostet worden ist (zum Beispiel hier: http://www.youtube.com/watch?v=rNATsPyaC7c).

Und die Nachlese des ersten Wochenendes zu Bückeburg? Es war heiß – in jeder Hinsicht – und wir freuen uns schon auf das zweite! Wenn wir Glück haben lädt das Wetter wieder zum Feiern und zum Grillen ein, dann aber bitte mit normalem Barbecue und nicht mit gebratenem Frontmann. Der ist doch eh viel zu zäh... ;)


Vorhang auf ...

Ulm, Ulmer Zelt am 02.07.2010

Die Vorbereitungen für die Show des Tages kann ich in aller Ruhe angehen, da wir erst recht spät los müssen. Ich erledige noch dies und das, bis ich, auf dem Weg zum Auto, auch noch fast von einem Postauto überfahren werde, was mir jedoch auch ein Päckchen zustellt. Am Treffpunkt angekommen werde ich von meinem Fahrer (Herr Samoel) abgeholt und wir fahren zu unserem Proberaum. Mit kleiner Verspätung geht es los. Die Fahrt ist bis auf einen Stau (keine Überraschung bei Herrn Samoel als Fahrer) sehr kurzweilig und vor allem erstaunlich ruhig. Elsi fährt ja auch in Eigendispo heute.Ulm 1 

Wir kommen an und erkennen dass wir heute in einem Zirkuszelt spielen. Eine kleine Stadt aus Wohnwägen und Zelten ist diesmal unser Backstage, sehr schön!Wir bekommen einen grünen Wagen zugewiesen, direkt neben dem unseres Tourmanagers, der sogar einen Balkon hat. Hoffentlich bringen wir es auch mal so weit, dass wir wie unser Dompteur, uns einen Balkon am Wagen leisten können. Wir proben nochmal unsere Aufführung und Kunststückchen beim Soundcheck. Alles läuft soweit ganz gut. Zelte haben normalerweise keine gute Akustik, aber wir kommen gut klar damit was unseren Monitorsound angeht (was wir in unseren Kopfhörern hören, Anm. d. Red.). Der Sound bei mir selbst ist wirklich super, so langsam bin ich auch sehr zufrieden mit meinem Basssound!. Die Show sollte soweit ganz gut laufen, zumindest haben wir die besten Bedingungen dafür - wir hören uns alle. 

Es gibt Essen, denn so ein Künstler muss ja auch mit Energie auf die Bühne, wenn der Vorhang fällt und das Licht angeht. Vielleicht war es die Hitze, aber ich bekomme Vorspeise, Hauptgang und Desert, genau so wie ich all dies zuvor bestellt habe. Ich kämpfe, was bei dieser Wärme nicht gerade einfach ist, aber schaffe leider nicht alles. Es soll schließlich der heißeste Tag des Jahres werden, da muss man auch viel Trinken.Ulm 2Während alle über einen vollen Magen klagen wird es langsam Zeit, sich in die Bühnenklamotten zu werfen. Anscheinend geht Kleidung bei manchen von uns ein wenig ein bei dieser UV-Strahlung. Meine Sachen sitzen zumindest ein wenig enger als sonst. 

Im Zelt ist es warm, sehr warm. Der Schweiß trieft und wir rocken los. Um schneller wieder aus dem warmen Zelt zu kommen versucht Alea tatsächlich einen Song abzukürzen, was jedoch nicht klappt.Lasterbalk hat mich in letzter Zeit öfter mal verschont doch diesmal trifft es mich wieder bei einer Märchenansage. Da behaupten doch böse Zungen tatsächlich, dass es Glück bringen würde wenn man seine Hand (ja, Hand und nur die Hand!!!) an meinem Buddha-Bauch reiben würde. Das Publikum lacht. Ich habe gar keine Ahnung was mein Schlagzeugkollege mir damit sagen will.Ulm 3 

Nach dem Set merken wir erst wie erfrischend außerhalb des Zeltes die Luft ist und wollen eigentlich draussen weiter spielen aber ich glaube das geht nicht. Also spielen wir noch sieben Songs als Zugabe. Der Schweiß läuft uns einfach überall herunter, lecker oder? Der Vorhang schließt sich wieder aber wir sind noch lange nicht fertig. Lange Hosen werden in Kurze getauscht und los geht es zum Merchandise-Stand an dem wir wie immer noch Rede und Antwort stehen, für Fotos possieren und fleissig Autogrammwünsche erfüllen. Ja das gehört zum Job. 

Dieser Job ist sehr vielfälltig und man lernt so viel dabei ... wie der Spruch des Tages, von unserem Backliner Sören, zeigt: „Einmal die Welt durch deine Augen sehen ist wie Urlaub fürs Gehirn!“ - Gute Nacht.


Ich könnte mir in den Arsch beißen!!!!

Hamburg MPS, 26.06.2010

Von der Sonne geweckt, erwache ich ausgeruht und zufrieden gegen 8:30 Uhr.
Noch ahne ich nichts von dem, was ich in wenigen Minuten und den darauffolgenden Stunden hören sollte.
Also stehe ich auf und stelle zu meiner Erleichterung fest, dass die Bronchitis die ich mir aus Dortmund eingefangen hatte, mich langsam aber sicher wieder in Ruhe lässt.
So beginne ich den Tag mit Zähneputzen und ein wenig Tai Chi.
Alles ist ruhig, keiner meiner Mitstreiter ist zu sehen, kurz vor 10 Uhr kommen unsere Techniker und beginnen die Bühne wieder spielfertig zu machen. Immer noch keine Spur von den Jungs.
Doch da erblickten meine Augen zwei etwas blaß wirkende Gestallten - Elsi und Samoel. Aber was ist mit dem Rest.?
Da kriechen Lasterbalk und Jean aus ihren Zelten mit den Worten:
„Alter du hast heut Nacht echt gefehlt!!!“
Zu meiner Verteidigung muss ich jetzt sagen, ich bin am Freitag Abend ca. eine halbe Stunde nach dem Auftritt ins Bett gefallen, da mich die besagte Bronchitis völlig umgehauen hatte.
Aber weiter in der Geschichte und somit zur Überschrift dieses Eintrages.
Lasterbalk: „Wir haben gestern noch Tavernenmusik gespielt und als wir fertig waren, hat uns Giesbert in ein Taxi gepackt und ist mit uns und einigen anderen vom MPS über St. Pauli hergefallen. Wir sind spielenderweise über die Reeperbahn gezogen und sind schließlich in einem Stripclub eingekehrt.
Dort haben wir die ganze Nacht gespielt und gefeiert. Du hast so was von was verpasst!!!!!!!!“
Dann kommt Jean zu mir, legt mir die Hand auf die Schulter und sagt wieder nur:
„Alter, du hast echt was verpasst.“
Nun war es das erste mal soweit, dass ich mir den in der Überschrift genannten Satz durch den Kopf gehen ließ: „ICH KÖNNTE MIR IN DEN ARSCH BEIßEN! Warum passiert so was nur dann, wenn ich flach liege, dass ist so was von nicht fair!“
Kaum habe ich mich wieder im Griff und beginne mir Dinge vorzubeten wie: „Nichts geschieht um sonst“, als ich dem gerade aufgestandenen Herrn Mümmelstein in die Hände laufe, der mich mit einem: „Mann heute Nacht haste was verpasst!“ begrüßt.
Ich bin in diesem Moment langsam echt angesäuert, was nicht unbedingt besser wird, als sie mir nach und nach von der Megaparty berichten, die ich letzte Nacht verschlafen habe.
So verbringe ich den Tag mit den Hoch und Tiefs meiner Selbst. Dauernd laufen mir Leute über den Weg, die mir eine weitere Einzelheit der vergangenen Nacht berichten. Es ist zum aus der Haut fahren.
Dann endlich kommen die Nachmittagsauftritte. Alles läuft gut und meine Erkältung lässt mich soweit in Ruhe, so dass ich den Auftritt mit viel Spaß und Energie erleben darf.
Ein weiteres kleines Highlight des Tages ist, der Auftritt bei den Düwelspack, zusammen mit Elsi. Die Herren forderten uns auf bei Ihrem Dudelsack- Sack – Sack-Lied einen möglichst schiefen Traubentritt beizutragen. Wie bestellt, so geliefert: einmal Traubentritt mit 2 Säcken, die eine tonale Sekunde versetzt spielen!
Das tat, glaube ich, beim Spielen fast genauso weh, wie beim zuhören. Aber witzig war’s. Die Ganze versammelte Künstlerschaft, hinter der Bühne des Traumspectakels, bogen sich vor Lachen.
Eine viertel Stunde, nach dem Ende des Traumspectakels, war es Zeit für unser Abendkonzert.
Es war wunderschön, ein voller Platz vor der Bühne und Raftans Pyrotechnik auf der Bühne. Einfach der Wahnsinn!
Wer das nicht miterlebt hat, der hat echt was verpasst.
Alles gute
Alea


Hamburger Nächte...

Hamburg, MPS/Reeperbahn am 25.06.2010

 

Was für ein Abenteuer! Hamburg schafft es doch immer wieder mir klar zu machen, daß meine allerliebste Heimatstadt irgendwo doch so etwas wie Provinz ist und daß man selbst nach hunderten von Jahren noch staunend die große und skurrile weite Welt betrachten kann... und selbst ein mit vielen Wasser gewaschener Spielmann wundert sich.

Der betreffende Freitag begann morgens in einem Hamburger Mercure Hotel und meinem Versuch mich, meinen Trolly, einen Rucksack und meine Leier in einen 2 Personen Aufzug zu klemmen. Als ich alles drin hatte versuchte sich die Tür mehrfach mich einklemmend zu schließen. Einige gut gemeinte Ratschläge meinerseits an die örtliche Concierge über entsprechende bauliche Veränderungen des Hotels später kam ich leidlich knötterig beim Frühstück an und knötterte fleißig zu aller Leidwesen weiter. Die Kopfnuß für Elsi tut mir immer noch schrecklich leid... Vermutlich waren mir einfach die Betten zu weich, die Nacht zuvor zu lang und der Aufzug zu eng. Der Tag sollte zudem noch ein echt langer werden, denn Abfahrt am Hotel war für 8.30 angesetzt. Gegen Neun waren wir dann auf dem Platz und mussten uns zunächst an diesen gewöhnen. Irgendwie wirkte er von außen ankommen wenig einladend und garnicht so wie wir es von MPS Locations gewöhnt waren. Onlet Tom klärte mich dann darüber auf, daß das in meinen Augen echt hässliche Tribühnengebäude in den Augen wichtiger deutscher Architekten ein wahres Kleinod wäre, das man heute nicht mehr bauen könnte und Denkmal geschützt werden sollte und Initativen gegründet würden und und und... haben die wichtigen Menschen nicht besseres zu tun? Bäume in der Sahara, Weltfrieden? Naja. Unter all diesen weltumspannenden Gedanken hatten wir einen tollen Soundcheck und einen echt entspannten Aufbau. Unser Erster Auftritt sollte auch erst am Spätnachmittag sein.

Allen Leierspieler der Welt sei hiermit gekündet, daß ein Little Lehle 2 und ein Pro Preamp zusammen nicht funktionieren... es knackt auf der PA! Bestimmt kann fast kein Mensch auf der Welt mit dieser Aussage etwas anfangen... aber irgendwo muss ich mir mal Luft verschaffen! Ich will nur einen Muteschalter! Nicht mehr und nicht weniger! Wenn jemand der das liest eine Idee hat wie man zwischen Preamp und PA knackfrei muted, dann melde er sich bitte. Mein Floorboard wir dann mit einer entsprechenden Dankestafel versehen werden und ewiger Ruhm im Leierspielerhimmel winken.

Und dann kamen die ersten Gäste...leider zunächst sehr verhalten aber die die kamen waren in bester Partylaune! Mit einem mal ging für mich eine Wandlung mit dem Platz vor sich. Das MPS entfaltete seinen Zauber und die Umgebung blendete sich aus.

Was ich mir das ganze Wochenende nicht erklären konnte waren die ständigen Einladungen auf einen Amarulla! Keine Ahnung was da wohl vorgefallen sein muss. Merkwürdig war auch ein anfänglicher Wiederwillen gegen so ein eigentlich leckeres Getränk.

Der Freitag war auch Premiere für neue Kostümteile die ich endlich mühsam zueinander gebracht hatte. Die Reaktionen auf meine Heinrich VIII Pumpkinbuttpants waren verhalten bis zustimmend, so daß ich gedenke diese weiterhin auszuführen. Leider bestehen diese Hosen aus so viel Stoff, daß es innerhalb des Kürbisses schon recht bald zu einem Hitzestau... ich schweige ab hier und denke mir etwas für die heißen Tage aus.

Das Nachtkonzert rockte mich wirklich. Unsere Bühnenanweisungen waren über und über mit Vermerken und Notizen versehen die raftansche Pyroshow betreffend. Er hat endlich mal so richtig vom Leder gezogen und ich hoffe den Zuschauern hat es genauso gefallen wie mir. Obwohl ich wegen all des Donners und blitzens kaum dazu gekommen bin etwas von den Zuschauern zu bemerken.

Nach dem Konzert ging es an den Merchstand und danach sofort zur Taverne, da wir dort noch dudeln wollten. Die Party dort ließ ich den ersten Eindruck des Platzes dann gänzlich vergessen. Dann dacht ich daran, daß es Zeit wäre ins Bett zu gehen, als ein 2 Meter Ungetüm mich dazu verdonnerte gefälligst am Metstand zu warten bis er meine anderen Kollegen eingesammelt hat, denn wir würden ja noch auf die Reeperbahn fahren. Meine anderen Kollegen hatten zu diesem Zeitpunkt schon das weite gesucht und sich nach und nach versteckt. Elsi soll sich der Legende nach hinter einem Generator im Backstage versteckt haben. Er bleib unauffindbar. nachdem Gisbert dann durch unsere Backstagezelte gewalzt war und jeden darin befindlichen frug ob er denn Sack spielen könne und gleich zweimal die Antwort „Ich bin Samoel und spiele Gitarre“ bekam tauchte er mit irgendeinem Sack auf den er auf seinem Weg in die Finger bekam und drückte mir diesen in die Hand. Da ich keine Lust hatte dies allein mitzuerleben verpfiff ich noch Lasterbalk der versuchte hinter Raftans Knobihölle zu verschwinden. Tja, Pech gehabt. Dann kamen auch schon die Taxen auf den Plan gerollt und mit 25 Mann und Frau ging es zur Reeperbahn mit Susies Showbar als Ziel. Irgendwie wurde auch unser Tambour dazu gepresst sich uns mit Darabuka bewaffnet anzuschließen. Unser Zug rockte einmal über die überfüllte Reeperbahn und um herum tanzten die Menschen. Es war echt ergreifend zu sehen welche Freude man auslösen kann mit unserer Musik und das bei Menschen die vermutlich garnichts mit uns anzufangen wissen.

Susis BarBei Susies angekommen stürmten wir den Laden und platzten mitten in eine Show. Kurz darauf waren alle Tänzerinnen auf der Drehbühne und eine epische Feier nahm ihren Anfang... Alles weitere belasse ich nun der Gedankenwelt des Lesers oder der Leserin...

Es war wohl gegen acht Uhr am morgens, als ich mein Zelt im Backstage erreichte und mit allerlei Gedanken an den vergangenen Tag einschlummerte.

 

Einige Momente die es dennoch zu teilen gilt:

Gisbert der es schafft mit MPS Goldtalern in der Bar zu bezahlen

Ein Schotte von Soar Patrol der mit dabei war und mir auf dem Klo gestand, daß er sich echt ärgerte seinen Sack nicht dabei zu haben... während sein Kollege sich auf der Drehscheibe drehte...

Eine Tänzerin die irgendwann nur noch mit Lasterbalks Schärpe und Mantel bekleidet herumlief und nur damit...

Meine Gedanken darüber, daß ich bei meinen ersten Gehversuchen mit einem Dudelsack bestimmt nicht daran dachte jemals in so einer Kneipe zu solchen Sachen zu spielen...

Elsi der am nächsten Morgen die ganze Geschichte zu hören bekam und sich vermutlich über die Güte seines Verstecks ärgerte... zumindest war sein Dudelsack mit von der Partie.

- Mein Schlafzelt das neben mir auch noch von einer Albinoboa geteilt wurde deren abgelegte Haut ich morgens zwischen meinen Sachen fand...

 


Ganzkörperorigami unter erschwerten Bedingungen!

Dortmund, MPS am 19.06.2010

Gestern noch in der Schweiz, Deutschland hat sein WM-Spiel gegen Serbien bitter verloren, ich habe um ein Haar den Soundcheck verpasst und zu allem Überfluss regnete es den ganzen Tag. Als wir schließlich um halb eins Nachts von der Bühne kommen steht dort schon der Liner. Wir haben eine halbe Stunde zum einpacken der persönlichen Sachen und dann sammelt uns Kai mit der Peitsche in der Hand ein. Enger Zeitplan – mal wieder. Ich war schon wochenlang nicht mehr zuhause und bin immer wieder erstaunt wie mein Leben gerade an mir vorbeifliegt. Auch bin ich erstaunt über das Uhrwerk, das sich Crew nennt und wirklich erstaunliche technische und logistische Meisterleistungen erbringt Tag für Tag ...
Jetzt ist aber erstmal Nacht und ich versuche noch ein paar Stunden zu schlafen bevor wir in Dortmund ankommen. Leichter gesagt als getan. Ich falte meinen Körper mit der Erfahrung vieler Jahre in die viel zu kleine Koje des Nightliners und versuche mit allen Tricks zu schlafen. Chancenlos. Wir haben einen engen Zeitplan, dass heißt wir sind ohne Hänger, dafür aber mit 100 km/h unterwegs. Ich werde von jeder Bodenwelle und von jedem Schlagloch wach. Ich beneide einmal wieder den Mümmelstein, der natürlich schläft wie ein Baby. Super, das hebt meine Laune auch nicht gerade. Ich verbringe diese Nacht, wie fast jede Nacht im Liner, indem ich versuche abwechselnd zu schlafen oder dem Busfahrer auf die Nerven zu gehen. Beides erfolglos ...
Pünktlich um neun heißt es raus und den Markt entern. Bühne aufbauen, Instrumente stimmen und verkabeln usw. Über Nacht ist unsre Mittelalterbackline im LKW schon nach Dortmund gefahren und wartet nur noch auf uns. Uhrwerk eben ...
Einige Stunden später ist das MPS eröffnet, ich bin erstaunt wie viele Menschen vor unserer Bühne stehen und mit uns feiern. Leider bekomme ich mal wieder nichts von den anderen Bands mit, weil ich den Tag im magischen Dreieck zwischen Toms Drachenschänke, der Bühne und der Fressmeile verbringe. Es ist ein schönes MPS, wir spielen schöne Konzerte und merken, dass uns das Ruhrgebiet offensichtlich sehr mag. Beruht ja auch auf Gegenseitigkeit ...
Und dann fährt schon wieder der Bus und bringt mich weiter, aber natürlich nicht nach Hause – Uhrwerk eben.


Schweizer Käse

Open Quer Festival, Zell am 18.06.2010

Wir treffen uns früh um 08:00h am Proberaum. Ganz so früh müssen wir zwar nicht los, aber es muss noch das ein oder andere Case in den Bus geladen werden. In unserem LKW ist zwar noch genügend Platz, aber beim Gewicht hört‘s dann auch schon auf; wir wollen schließlich nicht mehr Zeit als unbedingt nötig an der schweizer Grenze verbringen.

Nachdem alles geladen ist, geht‘s in Kolonne Richtung Süden, in‘s Land der Schokolade.

Nach einem kurzen Kaffee-Frühstück im Bus beschließe ich mich in meine Koje zurückzuziehen

und - mit meinem iPod bewaffnet - vor mich hinzudösen, bis wir am Festivalgelände ankommen.

Ich werde von Elsi mit den Worten „ ...wir stehen mitten in einer Kiesgrube!“ geweckt und muss mich erstmal aufrappeln.

Nachdem ich mir was angezogen hab und einen Blick aus den hinteren Busfenstern wage, muss ich feststellen: er hat tatsächlich recht und nein, wir haben uns nicht verfahren. Wir stehen mitten auf dem Open-Quer Gelände doch auf der einen Seite seh ich nur riesige Radlader und LKWs, die damit beschäftigt sind, Kies zu schaufeln und wegzubringen; daneben ein Förderturm oder was auch immer. Dann der Blick zur anderen Seite auf die Rückansicht der Bühne - ah, doch alles ok. Obwohl mir die halb unter der Bühne eingegrabene Wasserpumpe irgendwie Sorgen bereitet.

Naja, erstmal ausladen und auf den LKW warten.

Ich bring schonmal mein Privatgepäck in den Backstage-Container und mach mich dann mal auf die Suche nach etwas essbarem - vergebens. Zusammen mit Elsi geht‘s dann weiter - das restliche Areal des Festivals erkunden. Die Bühne macht ja schonmal einen geräumigen Eindruck und auch sonst scheint alles entspannt zu sein. Abgesehen von dem Dauerregen und dem Matsch im „Infield“. Dort steht allerdings ein weiteres recht großes Zelt in dem es was essbares zu geben scheint. Es ist ja nicht so, dass ich dauernd nur ans Essen denke, aber ich hab noch nicht wirklich was gefrühstückt und es ist bereits nach zwölf.

Der Backstagebereich ist ja noch gut begehbar, dank der ausgelegten Bretter. Der Weg auf das Gelände schaut da schon anders aus. Die Holzbohlen reichen noch ein paar Meter in den Besucherbereich hinein, dann stehe ich allerdings vor der Wahl: Umdrehen, oder im Matsch weiter waten. Ich entschließe mich für den Matsch und das war‘s dann auch mit sauberen Schuhen und Hose.

Frühstück? - Fehlanzeige! Alles umsonst. Ok, dann eben zurück in den Container und abwarten.

Ich verbring die nächste Stunde dort mit meinem Instrument und mittlerweile hat uns auch eine der netten Bedienungen von der Bar ein paar Brötchen gebracht. Kaffee hab ich mir auch schon geholt und alles ist gut.

Als mir die junge Dame die Tasse zusammen mit Zucker, Kondensmilch, einem Stäbchen zum umrühren und einem kleinen, rechteckigen Stückchen, dass ich nicht weiter beachtet habe, hinstellt und ich alles liegen lasse, da ich meinen Kaffee am liebsten eh lieber schwarz trinke, kommt von ihr ganz vorwurfsvoll der Ausruf: „Abr die Chocki, die is leeckr!“. Ach so, ja - wir sind ja in der Schweiz.

So, auf geht‘s zum Soundcheck. Alle sind verkabelt, verfunkt und bereit, loszulegen. Nur einer fehlt: Lasterbalk. Der ist vor schon so einiger Zeit zusammen mit Luzi von Schelmish losgezogen, um sich das Fußballspiel anzuschauen. Das ist aber schon lang vorbei und immernoch kein Anzeichen von unserem Trommler. Es werden erstmal alle Instrumente gecheckt - soweit möglich. Die Zeit für unseren Check verfliegt immer weiter und als alle schon fast die Hoffnung aufgeben, kommt er doch noch auf die Bühne gerannt. Wild gestikulierend und Sachen wie „Tank leer“, „keine Tankstelle“ oder „Navi kaputt“ durch die Gegend fluchend. Naja, dann kann‘s ja jetzt losgehen.

Als wir von der Bühne kommen und sich jeder so die ein oder andere Frage stellt - „was mach ich jetzt blos bis zum Auftritt ... in X Stunden“ ist die Sache für Falk, Elsi und mich recht schnell klar, denn: da steht ja ein Jakuzi im Backstage. Die Außentemperatur ist uns völlig egal, denn das Wasser hat schöne 37°C.

Also ein paar Drinks besorgen und ab in den Pool!

So sitzen wir dann gemütlich im Wasser und lassen uns von den Massagedüsen verwöhnen. Das einzige Problem ist der wieder einsetzende Regen, der unsere Drinks verwässert.

Als „Abendessen“ gibt‘s dann noch einen Burger von einem der Stände - dann geht‘s an die Showvorbereitung.

Das Konzert läuft gut und ich hab mächtig Spaß auf der Bühne - nur das Gros der Festivalbesucher traut sich nicht aus dem halb offenen Bierzelt und schaut sich unsere Show lieber aus der Entfernung an. Der Rest, der sich vor die Bühne traut und bis zu den Knöcheln im Matsch versinkt bekommt dafür aber einiges geboten und bleibt bis zuletzt in Feierlaune.

Eine Sache geht mir allerdings schon seit der Hälfte des Konzertes durch den Kopf: Wie in aller Welt will sich Alea bei „Falsche Freunde“ von der Menge tragen lassen - die paar wenigen Leute reichen da nicht aus. Doch dann der schlaue Plan mit Ansage an‘s Publikum: „Wir werden jetzt den Leuten da hinten im Zelt mal zeigen, wie man richtig feiert“. Mit diesen Worten steigt unser Sänger von der Bühne hinunter, klettert über die Absperrung und zieht mit dem halben Publikum im Schlepptau über die sumpfige Wiese bis zum Bierzelt, holt dort noch einige Leute ab und bringt sie zurück zur Bühne; gekonnt.

Nach unserem Auftritt bleibt diesmal leider keine Zeit für Autogramme, denn wir müssen überpünktlich los um am nächsten Morgen um 10:00h in Dortmund auf dem Plan zu stehen.

Also werden schnellstmöglich die Akustik-Instrumente in den Bus geladen und auf geht‘s in den Pott.

Ich nehm mal nicht an, dass die Magen-Darm Probleme und die Übelkeit, die mich am nächsten Tag plagen sollten irgendetwas mit dem Thunfisch-Sandwich zu tun hatten, dass wir vom Festival noch mitbekommen hatten. Ich bring sicherheitshalber beim nächsten Mal mein eigenes Essen mit - ist besser so.

Schweizer und Fisch?! - dann doch lieber Schokolade...

 

Bis bald,

 

Herr Samoel

 


Public Viewing

Gelsenkirchen, Blackfield Festival am 13.06.2010

Mein Wecker klingelt das erste Mal um 03.50 Uhr. Also gehe ich ins Bad und mache mich im Halbschlaf fertig. Zurück aus dem Bad sehe ich eine SMS unseres Backliners Sören, der mir schrieb dass sie ca. 45 Minuten später am Proberaum sein werden. Also lege ich mich wieder hin, um ca. 45 min später wieder aufzustehen und fahre zum Proberaum. Knapp 30 Sekunden nachdem der Nightliner ankam komme auch ich an. Einladen und los. Nach ein paar Sätzen mit dem Busfahrer Michel, der uns die Woche zuvor schon gefahren hat lege ich mich schlafen, denn es ist ja noch sehr früh.

Es ist kurz nach 10 Uhr und wir kommen wohl gleich an, denke ich mir, da wir schon nicht mehr auf der Autobahn sind. Kailight ist schon wach um die nötigen Vorbereitungen zu treffen, wenn wir das Festivalgelände erreichen. Ich stehe auf uns ziehe mich an. Dabei bemerke ich dass Herr von Mümmelstein ebenso wach ist und sehr interessiert über meine Beine spricht, die gerade vor seiner Koje stehen. Der Liner navigiert sich nach dem Liner der Subways ebenso rückwärts zu seiner Parkposition. Mümmel und ich wandern verschlafen ins nächste Bad vor Ort um uns frisch zu machen. Ja heute ist ein wichtiger Tag für die Nation. Nein, nicht weil Mr. Mümmelstein und ich zusammen ins Bad gehen sondern weil das erste Fussballspiel der Nationalmannschaft in Afrika ansteht. Im Cateringbereich entdecken wir auch schon eine Leinwand, es ist also alles vorbereitet.

Wir Frühstücken und so nach und nach tauchen unsere Techniker wie auch einige Bandkollegen auf um ebenso Nahrung aufzunehmen. Danach bringe ich meinen Kulturbeutel in unseren Liner der zufällig von der Firma „Kultour“ ist. Die erste Band spielt schon und ich schaue mir ein wenig das Gelände an. Direkt hinter der Bühne ist der Rhein-Herne-Kanal, eine sehr schöne Aussicht. Die hat man ebenso von man von der Bühne aus ins Ampitheater schaut. 

Die weitere Zeit vertreibe ich mir mit Büro-Dinge machen und mit Herumlaufen. Irgendwann erreicht auch mich dass wir nicht um 16.30 Uhr wie geplant spielen sondern um 15.40 Uhr da die Band, die vor uns spielen sollte, in einer Vollsperrung steht und nicht mehr weg kommen wird. Dafür bekommen wir unseren Backstageraum, oder besser Gesagt eine Abstellkammer mit Kühlschrank und Chips, früher und ziehen uns da schon einmal um. Richtung Bühne laufend merkt man dass seit 12 Uhr schon eine Menge mehr los ist in den Zuschauerrängen. Ich schau noch auf all meine Instrumente und Geräte die ich auf der Bühne brauche und bin dann mal soweit fertig. Der Umbau beginnt und wir warten und warten. Normal sind bei Festivals 20 Minuten Umbauzeit zwischen den Bands, jedoch hatten wir 30 Minuten da ja eine Band ausgefallen war. Ich glaube nach 15 Minuten waren unsere Techniker mit allem fertig. Das Intro läuft und wir rocken los was das Zeug hält. Der Auftritt war gut obwohl mir für 2 Songs mein einer Basskanal abhanden gekommen war. Steckdosen sollte man anlöten können. Die Menge steht im Zugabeblock für uns auf. Ein sehr schöner Anblick und wir verlassen die Bühne während die Zuschauer gegen 16.30 Uhr lauthals „Zugabe“ rufen. Nun haben wir noch eine menge Zeit bis zu unserer Abfahrt um 01.00 Uhr in der Nacht. Erstmal Essen wir etwas denn nach so einer anstrengen Show braucht der körper ja auch Energie. Außerdem müssen wir noch fit sein für die anstehende Autogrammstunde! Irgenwann treffen wir Ingo, den Gitarristen, von Subway to Sally und Falk erzählt ihm dass er eine große Inspiration für uns war in den vergangenen Tagen beim Songwriting. Er lies es sich nicht nehmen ihn zu Fotografieren damit wir neuen Ansporn haben. Danke nochmals an dieser Stelle Ingo! Die Autogrammstunde beginnt und zwar ist das Autogrammzelt auf der obersten Reihe des Ampitheater mit direktem Blick auf die Bühne. Also schauen wir uns beim fleissigen Autogramme geben „Oomph“ an. Irgendwann höre ich Herrn Samoel so laut lachen, frage aber nicht nach warum, da wir je zu dritt auf einer Bank sitzen gab es auch nicht die Möglichkeit hinüber zu schauen. Warum er laut los lachte wurd mir sehr schnell bewusst, denn ein junger Fan hat sich selbst ein Shirt gedruckt mit einem sehr klugen Satz unseres Gitarristen, der wie folgt lautet: „Es gibt nicht zu viel Kräuterbutter, sondern nur zu wenig Fleisch“. Zu hören in Podcast-Folge: „Wer Wind sät-Songwriting Sessions 7/12“. Wir unterschreiben natürlich alle darauf. Was eine super Idee denke ich mir während T-ShirtLasterbalk mich anschaut und mir sagt dass es ihn sehr verwundert wie viele Leute sich das anschauen.

Die Autogrammstunde ist nach ca. 60 Minuten vorbei und ich schau mir die ersten Songs von Subway to Sally, vom Backstage aus, an. Sehr beeindruckend vor allem die Pyroeffekte. Anschließend gehe ich als gar-nicht-Fussballfan doch das Spiel anschauen, im Catering. Lasterbalk und Marco, unser Monitormischer. sind noch dabei. Den restlichen Abend schau ich mir kurz noch die Unheilig-Show an und beschließe mich wieder in den Liner zurückzuziehen als Frau Schmidt und Bodenski uns entgegen kommen um Lasterbalk, Herr Samoel, El Silbador und mich in ihren Nightliner einzuladen, auf eine kleine gesellige Runde. Es ist witzig, und Wein ist auch da. Am Schluss des Tages verabschiedet man sich, steigt in den eigenen Nightliner ein und Deutschland hat Australien auch weggeputz mit 4:0. Gute Nacht.