Die Augen zu …

Einigermaßen fassungslos verfolgen wir die „Diskussion“ um unseren letzten Post und unsere Unterstützung der Aktion Stimme des Nordens. Dort tauchen in den Kommentaren Aussagen auf, die wir so nicht stehen lassen wollen.

Worum geht’s hier denn? Es geht um einen Flüchtlingsstrom, der inzwischen Ausmaße angenommen hat, bei denen das Wegsehen einfach nicht mehr gelingt. Und genau das haben wir getan. Wir haben weggesehen, jahrelang, jahrzehntelang, wir Deutschen, wir Zentral-Europäer, wir Reichen und Privilegierten auf der Welt. Wir haben unsre Augen fest verschlossen und um ganz sicher zu gehen noch Mauern um uns errichtet. Zum einen, damit nur keiner der Armen reinkommt und zum anderen, damit wir das Elend nicht sehen müssen. Ab(seh)bar war die Katastrophe selbstverständlich sehr wohl.

Seit Jahrzehnten leben wir im Luxus und das natürlich auf Kosten anderer. Anderer die für uns schuften, und die für uns bluten. Sei es in menschenunwürdigen Fabriken für die neue Sommerware im Discounter neben an, oder weil sie das Pech haben, in einem Land zu leben, in dem Kriege toben. Kriege, an denen wir durchaus unseren Anteil haben. So oder so, das Muster ist offensichtlich. Auf der einen Seite gibt es furchtbare Armut und Angst um das nackte Überleben. Auf der anderen Seite gibt es Überfluss. Nun passiert etwas, das in der Geschichte schon öfter passiert ist. Die Menschen bewegen sich, von arm nach reich, von unsicher hin zur vermeintlichen Sicherheit. Die Not ist in anderen Teilen der Welt so groß geworden, dass es nur noch um die Wahl geht, im eigenen Land sicher zu verrecken, oder zumindest eine Chance zu haben, zu überleben. Diese Verzweiflung, können wir verwöhnten westlichen Blagen uns schlicht nicht mehr vorstellen! Wir sollten es aber wenigstens versuchen! Das rückt unser verzerrtes Weltbild vielleicht wieder ein bißchen zurecht.

Das ist aber noch lange nicht Alles. Auch hier im Land gibt es zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit. Prekäre Arbeitsverhältnisse, eine immer höhere Konzentration des Reichtums auf eine immer kleiner werdende „Elite“, konsequenter Abbau der Chancengleichheit, um nur einige zu nennen. Doch was sind denn die Konsequenzen daraus, dass hier ebenfalls vieles in die falsche Richtung läuft? Sollen wir denen, die es noch schlechter haben die Türe vor der Nase zuschlagen? Das kann doch wohl nicht euer Ernst sein!

Kommen wir zu einer kleinen Auswahl der „Argumente“, bei denen wir schlicht das Kotzen kriegen:

In den Reihen der Flüchtlinge kommt der IS

Absehen davon, dass die angeblichen „Beweise“ dafür sich in der Regel schon bald als Fälschungen herausstellen, wenn eine Terrororganisation hier Anschläge verüben will, dann braucht sie dazu nicht erst auf die Flüchtlingswelle zu warten. Selbst wenn unter 1000 Flüchtlingen ein Terrorist mitreisen würde – ist das ein Grund den Rest einfach zurück ins Mittelmeer zu schicken? Nicht im Ernst, oder?

Das sind doch nur Schmarotzer!

Ist klar. Wer die Strapazen und Gefahren einer Flucht auf sich nimmt, der tut dies aus schwerer Not heraus. Wer in seinem Land eine Perspektive sieht, der wird bei seiner Famillie bleiben. Es liegt eben auch an uns, eine Politik zu machen, deren Folgen andere Länder nicht zurück in die Steinzeit bombt und sie dann sich selbst überlässt. Im übrigen gilt auch hier: Selbst wenn sich in den Reihen der Flüchtlinge Trittbrettfahrer anhängen, ist es doch einfach keine Option schlicht gar keinem zu helfen!

Wie gehen die Flüchtlinge denn mit unseren Spenden um?

Wir sind uns sicher, dass keiner der Wortführer dieser Argumentation etwas abgegeben hat, das für ihn selbst noch von wert war! Soviel schon mal zum Thema „Spenden“. Im Übrigen greifen auch hier wieder die Argumente von oben. Die wenigsten „Beweise“ die hier im Netz kursieren sind etwas anderes als Fälschungen. Es gibt bestimmt auch hier einzelne Entgleisungen in Auffanglagern und Unterkünften, keine Frage. Aber ist das ein Grund nicht zu helfen? Schlimmer noch, ist das ein Grund viele der Flüchtlinge in den sicheren Tod zu schicken? Nicht euer Ernst …

Wie soll das alles weitergehen?

So oder so, das neoliberale System kommt an sein Ende. Wir werden umdenken müssen. Alle. Ob uns das nun passt oder nicht, früher oder später werden wir abgeben müssen. Wir werden neu lernen müssen zu teilen. Entweder freiwillig, oder weil uns die Geschichte dazu zwingt. Das gilt im übrigen für uns Deutsche im Kampf der Klassen genauso, wie zwischen den armen und reichen Ländern der EU und natürlich erst recht global. Ob wir es nun wollen oder nicht, die Welt ist kleiner, transparenter und schneller geworden. Die Konsequenzen daraus sind recht einfach: Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten werden weltweit schneller wahrgenommen und das System wird sich um einen Ausgleich bemühen. Es liegt an uns, diesen Ausgleich aktiv zu gestalten und nicht zu warten bis Kriege, Flüchtlingsströme und andere Katastrophen die Geschichte schreiben.

Noch ein letztes Wort zu den vielen „Ich bin kein Nazi, aber das wird man doch noch sagen dürfen!“-Künstlern hier. Lasst diese Vorrede doch einfach weg! Eure Argumente sprechen so oder so für sich. Und wenn nun mal einer wieder die heiligen nationalen Werte beschwört, oder fremdenfeindliche Scheiße von sich gibt, dann ist er einfach ein Nationalist oder sogar ein Rassist. Tatsächlich gibt es diese Meinungen. Und ja, die dürft ihr natürlich auch gerne überall laut äußern, aber eben nicht hier bei uns. Wir sind keine Plattform für Hetze, für Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit. Wenn euch das nicht passt, dann bieten euch die „garantiert unpolitischen“ Bands bestimmt gerne ein Forum dafür.

Klar?

Eure Spielleute

Frank
Freitag, 11. September 2015