An den Grenzen des Wachstums

Immer mehr! Immer weiter, immer höher und schneller soll es gehen. Wir wollen mehr, mehr Geld, mehr Produkte, mehr Sicherheit und mehr Wohlstand. Uns wird suggeriert, der Motor dieser gigantischen Wohlstands-Maschine sei ein stetiges Wirtschaftswachstum, das praktisch von ganz alleine alle Probleme zu lösen vermag. Geradezu ängstlich werden Wachstumsprognosen erstellt und wehe dem, der nicht mehr weiter wachsen kann oder will. Doch ist ein ungezügeltes Wachstum die Lösung für all unsere Probleme oder ist es am Ende gar die Ursache dafür?

Wenn wir einen Moment lang ehrlich zu uns selbst sind, dann wollen wir doch eigentlich keine dieser Fragen hören, noch wollen wir sie beantworten. Es ist bequemer, nicht nachzudenken und sich an den schönen Folgen des stetigen Wachstums zu erfreuen. Doch wo wird dieser Wohlstand eigentlich erwirtschaftet? Wer zahlt den Preis für unser Wachstum? Auf welcher Grundlage beruht unser Wachstum? Tatsache ist, dass wir als Gesellschaft die Natur, ihre Ressourcen und die Menschen in weniger privilegierten Ländern ausnutzen. Wir verschwenden gigantische Mengen an Rohstoffen und Arbeitskraft, nur um noch einen weiteren Prozentpunkt Wachstum zu ermöglichen. Allein in Deutschland werfen wir pro Jahr elf Millionen Tonnen Lebensmittel und 400.000 Tonnen Textilien und Schuhe auf den Müll. Nahrung und Kleidung, die auf der anderen Seite der Gleichung fehlt. Trotz allen ökologischen Modellen und einem neuen „grünen“ Bewusstsein verbrauchen wir jährlich das 1,4-fache von dem, was die Erde regenerieren kann oder anders formuliert: Unser Wachstum wird von anderen bezahlt! (Quelle: GEO 07/2013)

Doch wer profitiert eigentlich von dem Wachstum? Wer hat denn nun tatsächlich mehr und führt ein besseres Leben? Die Frau an der Kasse eines Discounters, die von ihrer Arbeit inzwischen nicht mehr über die Runden kommt? Während auf der einen Seite Vorstände unanständige Beträge kassieren, müssen im sogenannten Billiglohnsektor Löhne staatlich aufgebessert werden! Eine Krankenschwester verdient im Jahr 31.570 €, unsere Bundeskanzlerin 224.000 € und der VW Vorstandsvorsitzender 14.500.000 € (Quelle ARD-Mittagsmagazin vom 19.03.2013). Wenn man diese Zahlen ins Verhältnis setzt und man Frau Merkel als Vorstand der BRD betrachtet, dann bedeutet es ja, dass VW 65 mal so wichtig ist wie die BRD! Bildet das aber auch die Realität ab? Wir reden hier von einem Unternehmen, das Autos baut, im Vergleich zu einem Land, in dem rund 80 Millionen Menschen leben! Schlimmer wird das Ganze aber sobald man diese Rechnung mit der Krankenschwester aufmacht. Leistet der Herr Winterkorn als Vorstand von VW tatsächlich das 460-fache (!) einer Krankenschwester? Einer Frau im Schichtdienst mit harten Arbeitszeiten und -bedingungen? Einer Frau, deren Tun direkt über Leben und Tod entscheidet? Wir wagen das zu bezweifeln. Ist das gerecht? Wollen wir so leben, wollen wir wirklich so weitermachen?

Übrigens, neu ist der Denkansatz, der unserer Single zugrunde liegt, bei Weitem nicht. Bereits seit den 1970-er Jahren gibt es den „Club of Rome“, der sich mit diesen Fragen auseinandersetzt. Warum wollen wir also nicht zuhören? Warum nicht umdenken? Zum einen ist es unbequem und unpopulär. Wer will schon freiwillig verzichten? Zum anderen gibt es eine kleine Lobby, die im aktuellen System sehr gut lebt und gar kein Interesse daran hat, unbequeme neue Wege zu gehen. Oder anders formuliert: Wachstumskritische Gedanken finden keine Unterstützer, keine Lobby. Das ist der Moment, wo wir und ihr ins Spiel kommen. Wir wollen den Mund aufmachen und wir wollen wachrütteln! Wir wollen zum Nachdenken auffordern und wir wollen nicht länger so tun, als wäre alles in Ordnung. „Wachstum über alles“ ist eine Hymne in zweifacher Hinsicht. Wir haben ganz bewusst das Lied der Deutschen zitiert, um aus der alten Hymne eine neue zu machen, eine Hymne, die uns hoffentlich in eine gerechtere und fairere Welt führt. Spielt das Lied euren Freunden vor und diskutiert darüber. Teilt es und denkt darüber nach. Wir sind uns bewusst, dass nicht alle unserer Auffassung sein werden, und das ist auch gut so. Wir wollen nicht nur blinde Zustimmung, wir wollen einen Dialog, einen Diskurs, wir wollen zum Denken und zum Handeln auffordern.

In diesem Sinne,

eure Spielleute von Saltatio Mortis

Quellen und weitere Informationen zu Thema findet ihr hier:
GEO Heft 07/2013
Club of Rome: http://www.clubofrome.org
Tim Jackson (2011): „Wohlstand ohne Wachstum“, Oekom Verlag 2013
Fred Luks (2013): „Die Zukunft des Wachstums“, Metropolis Verlag 2013

Lasterbalk
Mittwoch, 3. Juli 2013